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Journal Körperarbeit

Checkliste: Worauf Sie vor einer Körperausrichtung achten sollten

Matthias Brandt

5 Min. Lesezeit

Bevor Sie sich für die somatische Körperausrichtung entscheiden, helfen einige ruhige Fragen zu Stand, Atem und Ihrem Vortragsalltag, die Arbeit realistisch einzuschätzen.

Warum eine Checkliste vor der Entscheidung hilft

Wer vor Publikum spricht, spürt oft früh, dass etwas im Körper nicht ganz mitspricht: die Schultern wandern nach oben, der Stand wirkt unruhig, der Atem sitzt flach. Die Versuchung ist groß, sofort ein Programm zu buchen. Ich rate zu einem Zwischenschritt. Gehen Sie in Ruhe einige Punkte durch, bevor Sie sich festlegen.

Die somatische Körperausrichtung ist keine Technik, die Sie nebenbei abhaken. Sie verändert, wie Sie stehen, atmen und Raum einnehmen, und das braucht Aufmerksamkeit über mehrere Wochen. Eine klare Vorbereitung sorgt dafür, dass die Zeit im Studio später auf Ihre tatsächlichen Gewohnheiten trifft und nicht auf Annahmen.

Die folgenden Abschnitte sind als Reihenfolge gedacht. Sie können sie an einem ruhigen Abend lesen und Ihre Antworten notieren. Danach wissen Sie meist besser, ob dieser Weg zu Ihnen passt.

Erstens: Was genau stört Sie auf der Bühne?

Beginnen Sie mit einer nüchternen Beobachtung, nicht mit einem Urteil über sich selbst. Fällt Ihnen auf, dass Sie von einem Fuß auf den anderen wechseln? Hält Ihr Kiefer fest, wenn der Applaus ausbleibt? Wird Ihre Stimme enger, sobald Sie sich zum Publikum wenden? Solche Details sind der eigentliche Ausgangspunkt.

Hilfreich ist eine kurze Aufnahme eines früheren Vortrags, auch mit dem Telefon. Schauen Sie ohne Ton hin und achten Sie nur auf Haltung und Bewegung. Meist erkennen Sie ein bis zwei Muster, die sich wiederholen. Genau diese bringen Sie später in die Arbeit ein.

Je genauer Sie das Muster benennen können, desto gezielter lässt sich daran arbeiten. Vage Wünsche wie mehr Ausstrahlung sind verständlich, geben dem Unterricht aber wenig Halt.

  • Wo im Körper spüren Sie Anspannung vor einem Auftritt?
  • Welche Bewegung wiederholen Sie unbewusst?
  • Wann wird Ihr Atem kürzer?

Zweitens: Wie sieht Ihr Alltag vor Publikum aus?

Ein Keynote-Sprecher, der selten auftritt, braucht andere Schwerpunkte als eine Führungskraft, die mehrmals pro Woche vor Teams spricht. Überlegen Sie, ob Sie überwiegend stehen, am Pult sprechen, sich auf einer Bühne bewegen oder an einem Tisch sitzen. Die Ausrichtung des Körpers wird für jede dieser Situationen anders geübt.

Denken Sie auch an die Räume. Große Säle verlangen einen weiten, ruhigen Stand, kleine Runden eher eine zurückgenommene Präsenz. Wenn Sie wissen, wo Ihre nächsten Auftritte stattfinden, können wir die Übungen daran anlehnen.

Notieren Sie außerdem, wie viel Zeit Sie realistisch für Übungen zwischen den Sitzungen haben. Zehn Minuten am Tag genügen oft, wenn sie regelmäßig stattfinden.

Drittens: Was Sie mitbringen sollten

Für die Arbeit an Stand, Atem und Haltung brauchen Sie keine Vorkenntnisse in Bewegung oder Gesang. Es genügt die Bereitschaft, langsam zu üben und Dinge zu spüren, die zunächst ungewohnt wirken. Wer schnelle Rezepte erwartet, wird mit dem Tempo möglicherweise unzufrieden sein.

Praktisch ist bequeme Kleidung, in der Sie sich frei bewegen können, und flache Schuhe oder Socken. Bringen Sie, wenn möglich, Ihr aktuelles Vortragsmanuskript oder eine Gliederung mit, damit wir die Haltung an echtem Material erproben.

Sprechen Sie zudem an, ob Sie körperliche Einschränkungen oder frühere Verletzungen haben. Das ist keine Hürde, sondern eine Information, die den Aufbau der Übungen bestimmt.

  • Bequeme Kleidung und flache Schuhe
  • Aktuelles Manuskript oder Gliederung
  • Hinweise zu Einschränkungen

Viertens: Realistische Erwartungen an das Ergebnis

Die Körperausrichtung verändert Gewohnheiten, nicht über Nacht, aber spürbar. Nach einigen Sitzungen stehen viele sicherer, atmen tiefer und wirken am Pult ruhiger. Ob sich das in jedem Auftritt zeigt, hängt davon ab, wie konsequent Sie zwischen den Terminen üben.

Seien Sie skeptisch gegenüber Versprechen, die eine vollständige Verwandlung in kurzer Zeit nennen. Seriöse Arbeit beschreibt eher Schritte: erst wahrnehmen, dann ausrichten, dann unter Druck festigen. Das Ziel ist ein Körper, der Ihnen auf der Bühne nicht im Weg steht.

Fragen Sie sich ehrlich, ob Sie bereit sind, in dieser Zeit auch kleine Rückschritte auszuhalten. Sie gehören zum Lernen und verschwinden meist, sobald die neue Haltung vertrauter wird.

Fünftens: Die Fragen, die Sie vorab stellen sollten

Bevor Sie sich festlegen, klären Sie den Rahmen. Wie ist eine Sitzung aufgebaut? Wer begleitet Sie? Wie viel Zeit liegt zwischen den Terminen? Und wie wird das Erarbeitete auf Ihren konkreten Vortrag übertragen? Ein gutes Studio beantwortet diese Fragen ohne Umschweife.

Achten Sie darauf, ob man Ihnen zuhört. Ein erstes Gespräch sollte mehr mit Ihnen zu tun haben als mit dem Angebot. Wenn Sie nach dem Gespräch klarer sehen, was Sie wollen, war es hilfreich, unabhängig davon, wie Sie sich entscheiden.

Und schließlich: Gönnen Sie sich Bedenkzeit. Eine Entscheidung, die Sie nach ein bis zwei Tagen noch trägt, ist meist die richtige.

  • Wie ist eine Sitzung aufgebaut?
  • Wer begleitet Sie durch die Arbeit?
  • Wie wird auf Ihren Vortrag übertragen?

Wenn Sie Ihr Muster benennen können, Ihren Auftrittsalltag kennen und realistische Erwartungen mitbringen, ist die Entscheidung meist schon halb getroffen. Die somatische Körperausrichtung belohnt Geduld und Genauigkeit. Nehmen Sie sich die Zeit, diese Punkte ehrlich zu beantworten, und melden Sie sich dann bei uns, wenn Sie das Gespräch suchen. Ich beantworte Ihre Fragen gern in Ruhe.

Geschrieben von

Matthias Brandt

Dozent für Körperwahrnehmung

Bewegungspädagoge, der somatische Methoden für Auftritte vor Publikum anpasst.

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