Einzelcoaching: Wie wir an Ihrem Vortrag und Ihren Gewohnheiten arbeiten
Sabine Hoffmann
4 Min. Lesezeit
Ein Blick auf den Ablauf unserer Einzelsitzungen: womit wir beginnen, was wir am Vortrag selbst üben und wie persönliche Gewohnheiten dabei sichtbar werden.
Warum der eigene Vortrag im Mittelpunkt steht
In den Einzelsitzungen arbeiten wir nicht an einer Idealfigur des Redners, sondern an dem Vortrag, den Sie als Nächstes halten. Sie bringen Ihr Manuskript, Ihre Stichpunkte oder Ihre Folien mit, und wir beginnen genau dort. Das gibt der Arbeit von der ersten Minute an einen klaren Gegenstand: Welche Passagen tragen Sie sicher, an welchen Stellen verlieren Sie Atem, Tempo oder Blick?
Aus unserer Erfahrung in der Theaterarbeit weiß ich, dass sich Gewohnheiten am deutlichsten zeigen, wenn ein echter Text gesprochen wird. Allgemeine Übungen sind nützlich, doch erst am eigenen Material wird sichtbar, was im Alltag wirklich geschieht. Deshalb beginnt jede Sitzung mit einem ersten Durchlauf, den wir ruhig und ohne Unterbrechung anhören.
Der erste Durchlauf und was wir darin beobachten
Beim ersten Durchlauf sprechen Sie so, wie Sie es auch vor Publikum tun würden. Ich höre zu und schaue zu, ohne zu korrigieren. Ich achte auf die Stellen, an denen die Stimme enger wird, auf Pausen, die zu kurz ausfallen, und auf Bewegungen, die Sie selbst vermutlich gar nicht bemerken, etwa ein Gewichtsverlagern oder ein Blick, der sich im Manuskript verliert.
Danach sprechen wir darüber, was Sie selbst wahrgenommen haben. Oft stimmt Ihr Eindruck nur teilweise mit meinem überein, und genau dieser Unterschied ist aufschlussreich. Wir halten wenige Beobachtungen fest, nicht zwanzig, sondern die, die für Ihren Auftritt den größten Unterschied machen. Mit diesen arbeiten wir die restliche Sitzung weiter.
- Stellen, an denen die Stimme enger oder flacher wird
- Pausen, die fehlen oder zu hastig gesetzt sind
- Wiederkehrende Gesten und Standwechsel
- Der Blickkontakt zwischen Text und Raum
Persönliche Gewohnheiten erkennen und ersetzen
Jeder Redner bringt Muster mit: das Räuspern vor dem ersten Satz, das schnelle Sprechen, sobald ein Gedanke wichtig wird, die Hand, die zum Pult greift. Solche Gewohnheiten sind keine Fehler, sie sind Schutzreaktionen. Wir versuchen daher nicht, sie zu verbieten, sondern bieten Ihrem Körper eine ruhigere Alternative an, die sich genauso selbstverständlich anfühlt.
Das geschieht in kleinen Schritten. Wir üben eine einzelne Passage mehrfach, verändern nur eine Sache, etwa den Atemzeitpunkt oder den Stand, und sprechen sie erneut. Dabei greifen wir auf Methoden aus allen drei Bereichen unseres Studios zurück, ohne dass Sie eine Fachsprache lernen müssen. Entscheidend ist, dass Sie den Unterschied spüren und ihn danach selbst herbeiführen können.
Wie eine Sitzung aufgebaut ist
Eine Sitzung folgt einem einfachen Rhythmus. Wir beginnen mit einem kurzen Ankommen, in dem Sie Stand und Atem sammeln. Es folgt der Durchlauf eines Abschnitts, dann die gemeinsame Auswertung und anschließend die gezielte Übung an einer ausgewählten Stelle. Zum Schluss sprechen Sie den Abschnitt noch einmal im Zusammenhang, damit das Neue nicht isoliert bleibt.
Je nach Thema ziehe ich bei Bedarf Kolleginnen und Kollegen aus dem Studio hinzu, etwa für Fragen der Stimmführung oder der Körperwahrnehmung. Das entscheiden wir gemeinsam und nur, wenn es Ihrem Vortrag dient. Die Sitzungen bleiben privat, und was Sie mitbringen, verbleibt im Raum.
Was Sie mitbringen sollten
Am hilfreichsten ist ein Vortrag, der tatsächlich bevorsteht, in einer Fassung, die Sie halbwegs kennen. Sie müssen ihn nicht auswendig können; ein Stichwortzettel genügt. Bequeme Kleidung, in der Sie sich frei bewegen, und Schuhe, mit denen Sie sicher stehen, sind sinnvoll. Wenn Sie schon einmal Aufnahmen eines früheren Auftritts haben, dürfen Sie diese gern mitbringen.
Hilfreich ist außerdem, vorab zu überlegen, was Sie an Ihren bisherigen Auftritten stört und was Sie erreichen möchten. Das müssen keine großen Ziele sein. Oft reicht ein Satz wie: Ich möchte am Ende ruhiger wirken. Daraus entwickeln wir gemeinsam, woran in den Sitzungen konkret gearbeitet wird.
- Ihren aktuellen Vortrag oder Stichpunkte dazu
- Bequeme Kleidung und sicheres Schuhwerk
- Eine kurze Notiz, was Sie verändern möchten
Realistische Erwartungen an die Arbeit
Einzelcoaching ersetzt kein langes Üben, es lenkt es. Nach einer Sitzung haben Sie erfahrungsgemäß ein klareres Bild davon, woran Sie arbeiten, und einige Übungen, die Sie zu Hause wiederholen können. Veränderungen in Atem und Haltung brauchen jedoch Wiederholung, und das zeigt sich meist erst nach mehreren Wochen im Alltag.
Wir versprechen keine bestimmte Wirkung auf Ihr Publikum. Was wir anbieten, ist ein geschützter Raum, in dem Sie Ihren Vortrag genau betrachten, ausprobieren und verfeinern können, bevor er ins Licht gelangt. Viele Redner empfinden schon das als spürbare Entlastung.
Private Einzelcoachings sind der direkteste Weg, an einem bevorstehenden Vortrag und an eigenen Gewohnheiten zu arbeiten. Sie beginnen bei Ihrem Material, beobachten ruhig und üben nur das, was für Ihren Auftritt zählt. Wenn Sie wissen möchten, wie das für Ihr Anliegen aussehen könnte, schildern Sie es uns über die Anfrage, und wir melden uns persönlich bei Ihnen.
Sabine Hoffmann
Dozentin für theatrale PräsenzSchauspielerin und Regisseurin, die Redner in Timing, Blick und Raumwirkung begleitet.