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Journal Körperausrichtung

Typische Fehler bei Stand und Haltung vor Publikum und wie Sie sie vermeiden

Katharina Lenz

5 Min. Lesezeit

Viele Redner verlieren Ruhe und Wirkung durch kleine, unbemerkte Gewohnheiten im Stand. Dieser Beitrag beschreibt die häufigsten Fehler der Körperausrichtung und zeigt, wie Sie sie Schritt für Schritt

Der Stand ohne Boden

Der häufigste Fehler zeigt sich schon vor dem ersten Satz: Redner stehen, als wären sie auf dem Sprung. Das Gewicht liegt auf den Fersen oder auf den Ballen, die Knie sind durchgedrückt, die Füße stehen eng beieinander. Das Publikum nimmt das sofort wahr, auch wenn es nicht benennen kann, woran es liegt. Der Körper sendet Unsicherheit, noch bevor ein Wort gefallen ist.

In der Arbeit im Studio beginnen wir deshalb mit dem Boden. Sie stellen die Füße etwa hüftbreit auf, lassen die Knie weich und spüren, wie sich das Gewicht gleichmäßig auf beide Füße verteilt. Das klingt unspektakulär, verändert aber die gesamte Haltung bis hinauf zu Schultern und Kiefer.

Wer einmal erlebt hat, wie ruhig ein Satz aus einem stabilen Stand heraus klingt, bemerkt den Unterschied zu früher meist sofort. Üben Sie diesen Stand zunächst ohne Text, danach mit den ersten zwei Sätzen Ihres Vortrags.

  • Fußabstand etwa hüftbreit
  • Knie leicht gelöst, nie durchgedrückt
  • Gewicht gleichmäßig auf beide Füße

Schultern und Brustkorb unter Spannung

Der zweite Fehler ist subtiler: Vor Aufregung ziehen sich die Schultern nach oben, der Brustkorb wird eng, und der Atem flacht ab. Viele Redner halten das für Nervosität, die man aushalten muss. Tatsächlich ist es oft eine Gewohnheit, die sich über Jahre eingeschliffen hat und mit dem konkreten Anlass wenig zu tun hat.

Beobachten Sie sich vor einem Spiegel oder auf einer kurzen Videoaufnahme. Heben sich die Schultern, sobald Sie zu sprechen beginnen? Dann hilft es, die Schultern bewusst sinken zu lassen und den Blick weit zu halten, als würden Sie einen Raum überblicken. Der Brustkorb darf sich dabei öffnen, ohne dass Sie sich aufrichten wie ein Soldat.

Ziel ist keine Pose, sondern Beweglichkeit. Eine Haltung, die atmen kann, wirkt ruhiger als jede einstudierte Geste.

Das Festhalten an Notizen und Pult

Ein weiterer Klassiker ist das Klammern: Hände, die sich am Pult festhalten, Karten, die wie ein Schutzschild vor dem Körper gehalten werden, Arme, die verschränkt oder in den Taschen verschwinden. Jede dieser Haltungen schränkt den Atem ein und nimmt Ihnen die Möglichkeit, mit dem ganzen Körper zu sprechen.

Das heißt nicht, dass Sie ohne Unterlagen auftreten müssen. Legen Sie Ihre Notizen so ab, dass beide Hände frei bleiben, und üben Sie, zwischen zwei Gedanken kurz in die Pause zu gehen. Dort holen Sie Luft, richten den Stand neu aus und wenden sich wieder dem Publikum zu.

Wer die Hände ruhen lassen kann, gewinnt Gelassenheit. Die Gesten kommen dann von selbst, und zwar genau dort, wo der Inhalt sie braucht.

  • Notizen seitlich ablegen statt festhalten
  • Hände zwischen den Gedanken ruhen lassen
  • Pausen zum Neuausrichten nutzen

Bewegung ohne Absicht

Manche Redner gehen ins andere Extrem: Sie wippen, wandern ziellos über die Bühne oder verlagern ständig das Gewicht von einem Bein auf das andere. Das wirkt unruhig und lenkt von der Aussage ab. Das Publikum folgt der Bewegung mit den Augen und verliert dabei den Faden Ihres Gedankens.

Eine hilfreiche Regel aus der Bühnenpraxis lautet: Jede Bewegung hat einen Grund. Sie gehen zu einem neuen Punkt im Raum, wenn ein neuer Gedanke beginnt, und bleiben dort stehen, solange er trägt. So bekommt Ihr Vortrag eine sichtbare Gliederung, die dem Zuhörer beim Folgen hilft.

Üben Sie das zunächst im leeren Raum. Markieren Sie zwei oder drei Standorte, verbinden Sie jeden mit einem Abschnitt Ihres Vortrags und gehen Sie bewusst dazwischen, ohne zu hetzen.

Den Atem vergessen

Fast alle genannten Fehler hängen mit dem Atem zusammen. Wer den Stand verkrampft, atmet flach; wer flach atmet, spannt Schultern und Kiefer an. Viele Redner halten während des Sprechens unbewusst die Luft an oder atmen erst, wenn der Satz längst zu Ende ist, und wundern sich über eine Stimme, die gegen Ende dünn wird.

Die Körperausrichtung schafft den Raum, in dem der Atem arbeiten kann. Legen Sie probeweise eine Hand seitlich an die unteren Rippen und spüren Sie, wie sie sich beim Einatmen weiten. Sprechen Sie dann einen Satz und beobachten Sie, ob diese Weite erhalten bleibt.

Es genügt, diese Beobachtung täglich fünf Minuten zu üben. Mit der Zeit wird aus dem bewussten Spüren eine Selbstverständlichkeit, die Sie auf der Bühne nicht mehr eigens abrufen müssen.

  • Hand an die unteren Rippen legen
  • Weite beim Einatmen wahrnehmen
  • Täglich kurz üben statt selten lange

Ohne Rückmeldung von außen

Der letzte Fehler liegt nicht im Körper, sondern im Vorgehen: Viele üben allein und verlassen sich auf ihr Gefühl. Doch das innere Bild stimmt selten mit dem überein, was andere sehen. Was sich ruhig anfühlt, kann steif wirken; was sich übertrieben anfühlt, wirkt oft gerade natürlich.

Eine Videoaufnahme ist hier der einfachste Weg. Schauen Sie sie zuerst ohne Ton an und achten Sie nur auf Stand, Schultern und Bewegung. Danach hören Sie nur zu und achten auf die Stimme. Erst zuletzt betrachten Sie beides zusammen. So trennen Sie die Eindrücke und erkennen, wo wirklich etwas zu verändern ist.

Im Einzelcoaching begleiten wir genau diesen Schritt: Wir betrachten gemeinsam, was auffällt, und wählen eine einzige Sache für die nächste Übungswoche aus. Eine Veränderung nach der anderen hält länger als viele auf einmal.

Die meisten Fehler der Körperausrichtung sind keine Mängel, sondern eingeübte Gewohnheiten, und Gewohnheiten lassen sich verändern. Beginnen Sie mit dem Stand, gönnen Sie Ihren Schultern Ruhe, lassen Sie die Hände frei und atmen Sie bewusst. Holen Sie sich Rückmeldung, wenn Sie allein nicht weiterkommen. Schon kleine Korrekturen wirken in diesen Wochen spürbar auf Ihren nächsten Auftritt.

Geschrieben von

Katharina Lenz

Leitung Stimme und Resonanz

Sängerin und Stimmpädagogin mit langjähriger Erfahrung in der Arbeit mit Rednern und Führungskräften.

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